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Lindener Berg: Barocke Brache (April 08)

Stefanie Schulz und Bernd Ellerbrock

Zugegeben: Es war schon etwas gewagt, im barocken Kleinod des "Küchengartenpavillons" auf dem Lindener Berg anlässlich des Scillablütenfestes 2008 eine Fotoserie über die marode Industriebrache der Continental-Gummiwerke zu präsentieren. Bei klassischer Musik! Aber das sah nicht nur richtig gut und edel aus. "Küchengartenpavillon" und das Conti-Werk in Linden-Limmer haben ja historisch betrachtet auch etwas gemeinsam: das unwiderruflich Vergängliche dieses Stadtteils von Hannover. Der 1749 errichtete barocke Pavillon musste nämlich 1913 im Zuge der expansiven industriellen Entwicklung Lindens weichen und wurde auf dem zwei Kilometer entfernten Lindener Berg wieder errichtet. Zur Industrialisierung Lindens gehören nun wieder auch die Continental-Gummiwerke, deren Produktionsstandort 85 Jahre später ebenfalls aufgegeben wurde. So waren barocker und industrieller Niedergang dort oben auf dem Berg friedlich und ästhetisch miteinander vereint. Über den Aufstieg und Niedergang der Conti sowie die "Colori di Conti"-Fotografien referierte Stefani Schulz (auf dem Foto links) von der Galerie "Alte Schlosserei" in Lehrte anlässlich der Eröffnung dieser Ausstellung. Sie sagte: "Ich halte Bernd Ellerbrocks Conti-Fotos weder für das Werk eines Industrieromantikers, noch sind sie der sozialdokumentarischen Fotografie zuzurechnen. Sie sind möglicherweise Nachfahren, die in der Tradition des Pittoresken in der Fotografie stehen. Ellerbrock kommt der Inventarisierung dieser schönen Industrie-Leiche Conti mit seiner Kamera sehr malerisch nahe."

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